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Das neue Canon RF Objektiv 70-200mm im Vergleich

22. Februar 2021
Das neue Canon RF Objektiv 70-200mm im Vergleich

Neuvorstellung: Canon RF 70-200mm F4 L IS USM

Canon RF 70-200mm: Schon im November des vergangenen Jahres hat Canon dieses vielversprechende Objektiv angekündigt und endlich ist es langsam soweit. Das neue Canon RF 70-200mm F4 L IS USM tritt in sehr große Fußstapfen, denn schon der Vorgänger aus dem Spiegelreflex-Bereich war und ist unfassbar beliebt bei vielen Canon Fotografen. Das neue Objektiv für das Canon R System ist ein klassisches Telezoom- Objektiv und setzt anders als der DSLR-Vorgänger auf eine ausfahrbare Konstruktion. Dieses Merkmal macht das neue Objektiv jedoch deutlich kleiner und somit extrem transportabel. Preislich positioniert es sich zwar deutlich über dem Vorgänger, dafür aber auch weit unter dem Premium-Modell Canon RF 70-200mm F2.8 L IS USM. Was wir von dem neuen kompakten und leichten Objektiv erwarten können, dass wollen wir heute einmal in einem kleinen Vergleich für euch aufbereiten.

Technische Daten des Canon RF 70-200mm F4 L IS USM

  RF 70-200mm F4 L IS USM
optischer Aufbau 16 Linsen in 11 Gruppen
Anzahl Blendenlamellen 9 abgerundete Lamellen
Blendenbereich F4-32
Naheinstellgrenze 0,6 Meter
größter Abbildungsmaßstab 0,28-fach
Autofokusmotor Dual Nano USM Motor
Filtergewinde 77 Millimeter
Maße und Gewicht 8,35 x 11,93 Zentimeter, 695 Gramm
Besonderheiten 5 Blendenstufen optischer Bildstabilisator, UD-Linsen, ASC-Vergütung, Staub- und Spritzwasserschutz, Objektiv-Steuerring, Lock-Schalter

Von Außen wird schnell klar, dass auch das neueste RF Objektiv dem neuen Trend von der kompakten Bauweise folgt. Im eingefahrenen Zustand ist das Objektiv deutlich kürzer als das Äquivalent aus dem Spiegelreflex-Bereich und sogar noch ein paar Zentimeter kürzer als das erfolgreiche RF 70-200mm F2.8 L IS USM. Zoomt man bis ans andere Ende bei 200mm ist das neue RF 70-200mm F4 L IS USM nahezu genauso groß wie der Vorgänger. Der große Bruder mit einer Blendenstufe mehr ist hier dann sichtbar länger. Uns gefällt auf jeden Fall die kompakte Größe im zusammen gefahrenen Zustand, denn so ist der Transport im Rucksack oder Tasche deutlich angenehmer. Das verwendete Material ist ebenfalls der High Tech Verbund-Kunststoff, der auch schon in den anderen RF Linsen zum Einsatz gekommen ist. Dadurch spart man einiges an Gewicht, denn das RF 70-200mm F4 L IS USM bringt gerade einmal 695 Gramm auf die Waage und ist damit angenehm leicht. Bringt man in den Vergleich noch den EF-RF Adapter mit ein, der nötig wäre um das ältere DSLR-Objektiv zu verwenden, wird der Größenvorteil noch viel deutlicher. Mit dem Adapter ist das Spiegelreflex-Objektiv deutlich größer als die beiden RF Varianten und verlagert so den Schwerpunkt bei der Arbeit deutlich nach vorne.

Die Bedienelemente des RF 70-200mm F4 L IS USM

Von außen ist das RF 70-200mm F4 L IS USM fast schon ein alter Bekannter unter den ganzen RF Objektiven. Auf der rechten Seite findet sich ein Lock-Schalter, mittels dem sich das ausfahrbare Linsenelement feststellen lässt. Das beugt dauerhaft Lens-creep vor und sorgt für einen sicheren Transport. Der Zoomring des Objektivs ist am nächsten zur Kamera und sehr breit. Um auch bei Dunkelheit und am Auge angesetzter Kamera sicher den Zoomring identifizieren zu können, ist dieser leicht verjüngt zur Kamera. So lässt sich der Ring ganz einfach identifizieren und sicher bedienen.

Es folgt ein schmalerer Fokusring, der wie bei den meisten Objektiven für Systemkameras, durch einen elektrischen Antrieb übersetzt wird. Beide Ringe lassen sich sehr flüssig und gut drehen und bieten den richtigen Widerstand für beste Kontrolle. Gleichzeitig ist der Widerstand groß genug um selbstständiges Verstellen zu vermeiden. Kurz vor dem Ende des Objektivs findet sich der von RF Objektiven übliche Kontrollring. Dieser kann über die Kamera mit verschiedenen Funktionen belegt werden und erweist sich in der Praxis immer wieder als sehr praktisch.

Das neue Teleobjektiv von Canon

Eine Stativschelle, wie bei dem großen RF 70-200mm F2.8 L IS USM, gibt es bei dem neuen Objektiv nicht. Dafür kommt das Objektiv natürlich wieder mit einer hochwertigen Streulichtblende in der hellen Objektiv-Farbe. Seitlich finden sich noch vier weitere Wahlschalter an dem Objektiv. Ganz oben findet sich ein Schalter zum Begrenzen des Fokusbereiches. Dieses Feature ist extrem wichtig bei Teleobjektiven und ermöglicht immer das Maximum an Fokusgeschwindigkeit zu erzielen. Direkt darunter ist der Schalter zum Umschalten zwischen manuellem Fokus und automatischem Fokusbetrieb. Darunter finden sich zwei Schalter, die leicht abgehoben sind und beide für den optischen Stabilisator des Objektivs gedacht sind. Einer ist zum Ein- und Ausschalten des Stabilisators, der andere dient dazu den passenden Modus für den Bildstabilisator zu wählen. Gerade Tier und Sportfotografen nutzen diese Funktion immer wieder und werden sich freuen, dass dies auch wieder an diesem Objektiv möglich ist.

Leistungsstarke Optik für die höchsten Ansprüche

Wie gut die neuen Canon RF Linsen sind, hat Canon bereits in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. Gerade in Kombination mit den neuen EOS R5 und R6 Kameras ist hier einiges zu Erwarten. Die Kombination aus der Stabilisierung in den Kameragehäusen der R5 und R6 mit den überragenden 5 Blendenstufen Stabilisierung des neuen RF 70-200mm F4 L IS USM lässt uns träumen. Ersten Test nach zu urteilen sind in solchen Kombinationen bei der maximalen Brennweite von 200mm Belichtungszeiten von bis zu 1/10 Sekunde noch aus der Hand fotografierbar.

Ob die von Canon angegebenen 7,5 Blendenstufen in der Praxis tatsächlich erreichbar sein werden bleibt jedoch noch abzuwarten, es wäre auf jeden Fall eine stolze Vorlage für die Konkurrenz. Das neuen Canon RF 70-200mm F4 L IS USM ist wie viele der Top-Modelle von Canon mit zwei Motoren für den Fokusantrieb ausgestattet. Der Dual Nano USM Motor verrichtet dabei seine Arbeit quasi lautlos und ist blitzschnell. Im Vergleich zum DSLR Objektiv ist hier ein deutlicher Schritt nach vorne zu merken. Generell vermittelt die neue Serie ein sehr sicheres Gefühl und verfolgt Objekte zuverlässig und mit extrem hoher Treffsicherheit.

Das RF 70-200mm F4 L IS USM ist ein wahrer Alleskönner

Die Brennweite von 70-200mm ist eine der beliebtesten in vielen Bereichen der Fotografie. Egal ob Sportfotografie, Hochzeiten, Portraits oder Landschaftsfotografie, ein Telezoom-Objektiv ist ein echtes Arbeitstier und kann vielfältig eingesetzt werden. Sehr beliebt ist es bei Portraitfotografen, da die lange Brennweite in Kombination mit der relativ offenen Blende eine sehr schöne Freistellung generieren kann. Natürlich fällt dies im Vergleich zu der noch professionelleren F2.8 Variante nicht ganz so butterweich aus, es kann sich aber trotzdem durchaus sehen lassen. Selbst bei 70mm ist die Freistellung sehr schön und in der Fokusebene zeigen sich extrem scharfe Details und eine sehr gute Abbildung.

Bei 200mm ist die Freistellung noch deutlicher und weicher, wenn auch etwas definierter als bei dem Spiegelreflex-Äquivalent. Dafür sind die Details im Schärfebereich auch hier deutlich besser als bei der älteren Variante. Gerade im Zusammenspiel mit den neuen EOS R Kameras kann das neue Objektiv sein volles Potenzial abrufen. Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit sind den ersten Test zufolge auf sehr hohem Niveau und werden auch Profis nicht im Stich lassen. Das sogenannte Focus-Breathing war und ist ein bekanntes Problem dieser Brennweiten und auch das neue Canon RF 70-200mm F4 L IS USM zeigt dieses Verhalten doch deutlich. Fotografen wird das ganze wenig stören, aber Filmer sollten sich dessen bewusst sein, wenn Sie das Objektiv für Videoaufnahmen einsetzen wollen.

Abbildungsleistung der Canon RF 70-200mm F4 L IS USM

Wie alle Objektive für das aktuelle Canon R Mount ist auch das neue RF 70-200mm F4 L IS USM ein wahnsinniger Schritt nach vorne in Sachen Bildqualität. Die hochwertigen Linsen-Vergütungen und die komplexe optische Konstruktion verhindern nahezu alle Bildfehler und sorgen für eine extrem gute Abbildungsqualität. Das neue Telezoom zeigt in allen Brennweiten und sogar im Nahbereich eine deutlich gesteigerte Leistung. Gerade für Besitzer der hochauflösenden Canon EOS R5 ist dies ein entscheidender Vorteil um wirklich alle Pixel vernünftig mit Information zu versorgen.

Das Bokeh des RF 70-200mm F4 L IS USM lässt dabei eigentlich keine Wünsche offen. Punktförmige Lichtquellen hinter der Schärfeebene werden schön rund und weich abgebildet und zeigen keine ungewollten Effekte wie Zwiebelringe oder Ähnliches. Die Schärfe ist dabei schön gleichmäßig über den gesamten Bildkreis verteilt und zeigt keine Schwächen in den Randbereichen. Selbst bei offener Blende sind die extremsten Ecken noch sehr gut und leisten das, was man von einem L-Serie Objektiv erwartet.

Unser Fazit zum Canon RF 70-200mm F4 L IS USM

Die ersten Eindrücke des Canon RF 70-200mm F4 L IS USM lassen eigentlich keine Wünsche und Fragen offen. Das Objektiv leistet das, was man von einem Telezoom-Objektiv in dieser Preisklasse erwartet. Die Verarbeitung und das kompakte Design sind ein echter Pluspunkt der neuen Objektivserie von Canon und kommt vielen entgegen, die oft mit ihrer Ausrüstung unterwegs sind. Optisch folgt es dem Trend der RF Linsen mit einer sehr guten Performance und reiht sich damit in die lange Tradition von L-Serie Objektiven ein.

Wir glauben, das Canon mit dieser Konstruktionsweise einen echten Trend gesetzt hat, der die Konkurrenz noch lange ins Grübeln bringen wird. Vergleichbare Objektive sind oft deutlich größer und haben keine bessere optische Performance. Das Feature Set des Canon RF 70-200mm F4 L IS USM ist extrem gut gelungen und sollte jeder fotografischen Herausforderung standhalten. Wir sind gespannt, wenn wir das Objektiv das erste Mal selbst in der Hand halten können und freuen uns euch dann direkt darüber berichten zu können. Bis dahin, bleibt gesund und macht weiterhin fleißig Bilder, euer Foto Bantle Team.