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Makrofotografie für Einsteiger und Anfänger

3. Juni 2020
Makrofotografie für Einsteiger und Anfänger

Neue Welten im Vorgarten entdecken – Makrofotografie 1×1 für Anfänger

Egal ob schlechtes Wetter, Zeitdruck oder wie aktuell die häusliche Quarantäne – es gibt viele Gründe, warum man nicht immer spontan Fotografieren gehen kann und seiner Leidenschaft wie üblich frönt. Aus diesem Grund wollen wir euch heute verschiedene Möglichkeiten vorstellen, wie Ihr spannende Welten direkt bei euch zuhause finden und ablichten könnt. Die Makrofotografie bietet dabei Ansätze für jedes Level und jeden Geldbeutel und fasziniert jung und Alt gleichermaßen. Das es dazu nicht immer teures Equipment benötigt werden wir jetzt beleuchten und euch Empfehlungen aussprechen, wann welche Methode am besten einzusetzen ist.

Grundbegriffe und Besonderheiten der Makrofotografie

Als erstes wollen wir euch ein paar Grundbegriffe und Besonderheiten der Makrofotografie erläutern, damit ihr euch auch gut nach den passenden Begriffen erkundigen könnt. Der Begriff Makro wird leider häufig sehr dehnbar verwendet und nicht immer wird dabei vom gleichen Effekt gesprochen. So taucht beispielsweise an manchen Reisezoom-Objektiven der Begriff “Makro” auf, auch wenn diese Objektive ganz weit weg davon sind tatsächlich Makroaufnahmen anfertigen zu können. Generell reden wir von Makrofotografie, wenn Objekte, Lebewesen oder Strukturen in einem Gewissen Maßstab abgebildet werden. Dieser Maßstab ist in der Praxis sehr stark diskutiert aber wir wollen euch mal ein paar Beispiele nennen.

Das sehr beliebte Fujifilm Standardzoomobjektiv XF18-55mm F2.8-4 hat einen maximalen Abbildungsmaßstab 0,15x. Das Bedeutet eine Münze mit einem Durchmesser von einem Zentimeter kann maximal 1,5 Millimeter groß auf den Sensor der Kamera projiziert werden. Bei einem Sensor der 24mm x 16mm misst ist das nicht besonders viel. Im Ergebnis haben wir nur eine winzige Münze auf dem Foto. Das Fujifilm XF80mm F2.8 Makro hingegen hat einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1,0x, die Münze wäre also auf dem Sensor ebenfalls genau einen Zentimeter groß und füllt damit fast das ganze Bild aus. In den häufigsten Fällen spricht man erst ab diese lebensechte Abbildung (1:1) von einem richtigen Makroobjektiv. Es gibt jedoch auch Linsen die sogar vergrößern oder etwas weniger Abbildungsmaßstab besitzen und auch die Bezeichnung Makro tragen – lasst euch davon also nicht in die Irre führen. Da wir bei uns im Geschäft oft die Frage hören ab welcher Brennweite man von Makro spricht dazu auch noch mal ein Wort: Makrofotografie ist nicht abhängig von der Brennweite. Es gibt Makroobjektive bereits im Weitwinkelbereich ab wenigen Millimetern bis hin zu sehr langen Brennweiten von 150mm und mehr. Der einzige Entscheidende Faktor ist die sogenannte Naheinstellgrenze und der bereits angesprochene Abbildungsmaßstab. Die Naheinstellgrenze gibt dabei an, wie nahe dem Objektiv noch an ein Motiv herangebracht werden kann und dabei trotzdem scharfe Bilder produzieren kann. Wichtig: Dabei zählt nicht der Abstand zwischen Motiv und Objektiv, sondern den Abstand zwischen Sensorebene und dem Motiv. Die meisten Kameras haben daher auch eine Markierung am Gehäuse, die anzeigt wo sich der Sensor befindet. (ein kleiner Kreis mit einem Strich quer durch)

Gamay grapes on vines with lush green leaves

Makrofotografie für Einsteiger und Anfänger

Makrofotografie für Einsteiger und Anfänger – Eine weitere Besonderheit von Makroobjektiven ist die besonders geringe Schärfentiefe. Selbst bei sehr geschlossener Blende, etwa F22 oder mehr, werden im Nahbereich oft nur wenige Millimeter scharf abgebildet. Aus diesem Grund sind einige Makroobjektive gleichzeitig auch sehr gute Portraitobjektive. Mit Leichtigkeit können so unscharfe Hintergründe gezaubert werden. Beachtet dabei aber immer, dass die Schärfentiefe mit wachsendem Abstand zum Motiv langsam größer wird. Solltet ihr beispielsweise über ein Foto eines kleinen Insekts stolpern und jedes Detail an dem Insekt ist scharf, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Bild mit einem Foto aufgenommen wurde. In der Regel fertig der Fotograf dazu viele einzelne Aufnahmen an, bei denen er die Schärfeebene immer weiter verschiebt und verrechnet diese Einzelbilder später am Computer zu einem Gesamtbild. Diese Technik wird Fokus-Stacking genannt und ist erst für wirklich fortgeschrittene Makrofotografen zu empfehlen. Doch kommen wir nun zu den einzelnen Hilfsmitteln, mit denen auch ihr atemberaubende Makroaufnahmen machen könnt.

Makro-Zwischenringe machen aus jeder Linse ein Makroobjektiv

Eine der am weitesten verbreiteten Hilfsmittel für Makrofotografie sind sogenannte Zwischenringe. Diese Ringe gibt es nahezu für jeden Kameraanschluss und sind besonders für Anfänger sehr einfach in der Handhabung. Die Funktionsweise ist sehr einfach, denn die Zwischenringe vergrößern einfach die Distanz zwischen Kamera und Objektiv. Natürlich ist dies also nur bei Kameras mit Wechselobjektiven möglich. Durch die Vergrößerung des Abstands wird die Naheinstellgrenze des Objektivs drastisch verkürzt. Konnte ich ohne Zwischenring vorher beispielsweise erst ab einem Abstand von 40 Zentimetern scharfe Bilder aufnehmen, so ermöglicht ein Zwischenring schnell eine Naheinstellgrenze von weniger als 10 Zentimetern. Dadurch wird das Motiv natürlich viel größer auf dem Sensor und füllt das Bild sehr viel besser aus. Zwischenringe können zudem auch mit anderen Methoden oder Makroobjektiven kombiniert werden, um noch stärkere Vergrößerungen zu ermöglichen.

Es gibt Makro-Zwischenringe sowohl mit als auch ohne Elektronik. Ringe mit elektronischen Kontakten übertragen auch alle Einstellungen wie Blende und Fokus an das Objektiv. Auch die Exif-Daten werden von elektronischen Ringen mit an die Kamera übermittelt. Einfache Zwischenringe ohne elektrische Kontakte haben die gleiche Wirkungsweise, übertragen aber beispielsweise keine Einstellungen der Kamera an das Objektiv. Ihr müsst mit solchen Ringen also manuell Fokussieren und die Blende eventuell vorher ohne Zwischenring am Objektiv festlegen. Zwei Dinge solltet Ihr jedoch beachten bei der Verwendung von Zwischenringen. Zum einen reduziert sich die Menge an Licht die die Verwendung der Ringe, ihr braucht also entweder eine längere Belichtungszeit, einen höheren ISO Wert oder müsst eure Blende weiter öffnen. Als zweites solltet ihr beachten, dass ihr mit montierten Zwischenringen oft nicht richtig in die Ferne fokussieren könnt, ihr seid also auf kurze Entfernungen beschränkt. Das sollte jedoch kein Problem sein, schließlich wollt ihr ja die Makrowelt erkunden.

Makromotive im Handumdrehen mit Nahlinsen

Eine weitere sehr kostengünstige und einfache Alternative ein bereits vorhandenes Objektiv in ein Makroobjektiv zu verwandeln sind sogenannte Nahlinsen. Diese funktionieren einfach wie eine Lupe, die man vor die Frontlinse hält. Solche Nahlinsen gibt es einfach als Schraubfilter, die in das Filtergewinde des Objektivs eingeschraubt werden. Alternativ gibt es auch sehr professionelle Nahlinsen, wie die der Marke Raynox. Diese kommen mit einem Klemmmechanismus, durch den die Linsen ganz einfach auf fast alle Objektive passen. Beachtet werden muss bei einer Nahlinse im Wesentlichen daher nur das Filtergewinde des Objektivs und die Stärke der Vergrößerung. Letzteres wird in der Regel wie bei Brillen auch üblich in Dioptrien angegeben.

Wir empfehlen am Anfang mit kleineren Vergrößerungen zu arbeiten und sich langsam weiter vor zu tasten. Zu starke Vergrößerungen sind zu Beginn oft sehr umständlich und machen die Motivfindung fast unmöglich. Einziger Nachteil der Nahlinsen ist ein Abfall der Abbildungsleistung zu den Rändern, ähnlich wie man es von einer handelsüblichen Leselupe kennt. Aus diesem Grund solltet ihr bei der Verwendung von Nahlinsen darauf achten, das Motiv so gut wie möglich in der Bildmitte zu platzieren.

Makros unter 10€ – Umkehrringe machen es möglich

Die wohl günstigste Lösung für den Beginner-Makrofotografen sind sogenannte Umkehrringe. Wie der Name es bereits vermuten lässt sind diese Ringe dazu gedacht, das Objektiv verkehrt herum an der Kamera anzubringen. Diese Montage sorgt für eine extreme Vergrößerung und verwandelt selbst einfach Kit-Objektive ganz einfach in leistungsstarke Makroobjektive. Umkehrringe müssen einfach je nach passendem Bajonett und dem Filtergewinde ausgesucht werden und anschließend in das Filtergewinde eingeschraubt werden. Danach kann das Objektiv verkehrt herum an die Kamera angesetzt werden. Bei den einfachen Ringen werden keine elektronischen Daten übertragen und es findet auch keine automatische Steuerung statt. Damit ihr trotzdem die Kontrolle behaltet ist es daher sinnvoll die Blende beispielsweise im Vorhinein richtig einzustellen. Hochwertiger und deutlich einfacher geht es mit automatischen Umkehrringen, wie denen der Marke Novoflex aus Memmingen. Durch eine Kabelverbindung und einen Anschluss für das freiliegende Objektivbajonett werden alle elektrischen Impulse übertragen. Dadurch ist die Steuerung über die Kamera gewährleistet und selbst die Vollautomatik ist so voll funktionsfähig. Einfache Umkehrringe gibt es bereits unter 10 Euro und sind somit der günstigste Einstieg in die Makrofotografie. Achtet jedoch bei der Verwendung darauf die freiliegende Rückseite des Objektivs nicht zu beschädigen.

Makro-Technik aus Opa´s Zeiten

Eines der wesentlichen Merkmale historischer Kameras ist der kaum übersehbare Balgen. Mittels eines Balgens kann der Abstand zwischen Filmebene, heute Bildsensor, und dem Objektiv vollkommen flexibel reguliert werden. In dieser Funktion ist der Balgen sehr ähnlich den Makro-Zwischenringen mit dem Unterschied, dass der Abstand vollkommen frei reguliert werden kann. So kann der Fotograf den Abbildungsmaßstab flexibel selbst bestimmter und jedem Motiv den richtigen Rahmen verpassen. Auch wenn Balgen auf Grund ihrer langen Tradition und dem sich kaum veränderten Äußeren sehr altmodisch aussehen, so finden sie in der extremen Makrofotografie fast immer Verwendung. Zusätzlich können viele Balgen auch die Bildebene kippen und ermöglichen so die Tiefenschärfe ganz gezielt zu steuern. Besonders wichtig ist dabei die Dichtheit des Balgens. Schon das kleinste Loch verursacht Fehler in der Belichtung und macht sich deutlich in den Fotos sichtbar. Das Besondere: viele Balgengeräte können durch Adapter an alle möglichen Objektivanschlüsse angepasst werden. Ein Balgen ist also eine Art Allzweckwaffe wenn es um Makrofotografie geht. Marken wie Novoflex kombinieren Balgengeräte zudem mit Autofokus-Ringen. Dadurch bleiben sogar Funktionen erhalten und das Objektiv kann ganz wie gewohnt gesteuert werden.

Wenn es perfekt werden soll, muss das Makro-Objektiv her

Bisher haben wir euch vor allem Varianten vorgestellt, die sowohl preisgünstig als auch einfach in der Handhabung sind. Wollt ihr jedoch alles aus euren Makrofotos herausholen, dann ist ein richtiges Makroobjektiv fast unausweichlich. Damit euch die Auswahl dabei leichter fällt, solltet ihr euch am Anfang die Frage stellen, welche Motive ihr am häufigsten ablichten wollt. Je nachdem was ich euch ausgesucht habt, ist das ein oder andere Makro-Objektiv besser geeignet. Der entscheidende Unterschied bei diesen Objektiven liegt in der Regel in zwei Eigenschaften. Zum einen ist der Abbildungsmaßstab ein Kriterium, was euch beschäftigen sollte. Zum anderen spielt die Brennweite auch eine entscheidende Rolle bei der Wahl des richtigen Objektivs. Der maximale Abbildungsmaßstab ist vor allem dann interessant, wenn ihr besonders kleine Objekte oder Motive fotografieren wollt. Wer eine 5mm große Spinne groß in Szene setzen möchte, der profitiert beispielsweise sehr von einem vergrößernden Objektiv mit einem Maßstab von 2:1 oder sogar mehr.

Makrofotografie für Einsteiger und Anfänger einfach erklärt

Fotografierst du lieber größere Tiere wie Amphibien oder ganze Blüten ist ein Abbildungsmaßstab von 1:1 vollkommen ausreichend. Tendenziell werdet ihr in der Praxis dann eher sogar weniger benötigen. Wollt ihr das Bild nicht komplett mit dem Motiv füllen könnt ihr jedoch auch einfach immer etwas weiter weg gehen. Die Brennweite sollte auch an die von euch gewünschten Motive angepasst gewählt werden. Grob gesagt gilt, je kleiner die Brennweite ist, desto näher müsst ihr an euren Motiv heran, um es zu fotografieren. Wenn ihr euch nun an lebende Insekten wagen wollt, dann sind diese oft zu schreckhaft, wenn ihr ganz nah heranrückt. Zudem werft ihr schnell einen Schatten auf euren Motiv und müsst dann direkt mit zusätzlichem Licht gegensteuern. Wie auch bei allen anderen Disziplinen der Fotografie, hat die Brennweite natürlich auch Einfluss auf die Proportionen des Motivs. Weitwinkel-Makro-Objektive neigen zu starker Verzerrung, wohingegen längere Brennweiten den Raum stark raffen. Ein Vorteil von Makro-Objektiven mit Brennweiten größer als 40mm ist, dass diese Objektive auch häufig sehr gute Portrait-Linsen abgeben. Aus diesem Grund solltet ihr euch sehr gut überlegen, welches Objektiv das richtige für euch ist. Neben den nativen Objektiven haben wir mit unserer Kundschaft besonders gute Ergebnisse mit den Makro-Objektiven von Laowa gemacht. Diese sind zwar vollkommen manuell, das stellt in der Praxis jedoch keine Nachteile dar.

Die meisten Fotografen fokussieren ihre Makroaufnahmen sowieso über den Abstand der Kamera zum Motiv, als wie üblich über den Fokus im Objektiv. Wenn ihr euch nicht sicher seid, welches das richtige Objektiv für eure Zwecke ist, dann sprecht uns einfach an und wir helfen euch den Überblick zu behalten. Übrigens: wenn ihr immer noch näher dran wollt, könnt ihr Makroobjektive natürlich mit allen vorher genannten Hilfsmitteln kombinieren und so noch größere Abbildungsmaßstäbe erreichen. Es lohnt sich also zunächst mit einfachem Zubehör anzufangen und später auf ein richtiges Makroobjektiv umzusteigen. Das war es dann für diese Woche von uns, bleibt gesund und gute Fotos, euer Foto Bantle Team.