Fujifilm X-T4 vs Fuji X-T3 Unterschied + Vergleich

Fujifilm X-T4 vs Fuji X-T3 Unterschied + Vergleich

21. April 2020
 

 

Duell der Spitzenmodelle – Fujifilm X-T3 vs. X-T4

Auf der Photokina 2018 in Köln hat Fujifilm die X-T3 vorgestellt und damit direkt einen Treffer bei allen Fans und Interessierten gelandet. Der Erfolg gibt Fujifilm bis heute Recht und trotz der weiterhin großen Beliebtheit der X-T3 hat Fujifilm nun das neue Modell, die Fujifilm X-T4 als Flaggschiff- Systemkamera vorgestellt. Was wir davon halten und ob sich ein Upgrade lohnt, das und mehr erfahrt ihr in unserem heutigen Beitrag.

Die Fujifilm X-T4 wurde von den Ingenieuren selbst eher als ein Schwestermodell zur X-T3 konzipiert und weniger als deren Wachablösung. Daher verwundert es auch nicht, dass auf den ersten Blick einige der technischen Spezifikationen sehr ähnlich aussehen oder sich teilweise gar nicht unterscheiden. Der Teufel liegt jedoch im Detail und in der Praxis sind es gerade die kleinen Veränderungen, die den Mehrwert der Fujifilm X-T4 ausmachen. Besonder Videografen scheinen von den Neuerungen profitieren zu können. Wie das Ganze in der Praxis aussieht und ob man mit der X-T3 noch ein gutes Schnäppchen machen kann, dazu kommen wir nun im Detail.

In Body Image Stabilization – IBIS

Der wohl bekannteste und auch am meisten beworbene Unterschied der zwei digitalen Systemkameras ist der im gehäuse verbaute Stabilisator der Fujifilm X-T4. Durch ihn ist die X-T4 die erste spiegellose Kamera aus dem Hause Fujifilm mit stabilisiertem Sensor abseits von der sehr beliebten Fujifilm X-H1. Viele treue Fans haben sich dieses Feature bereits in der zuvor erschienen Version X-T3 gewünscht und wurden zunächst damit vertröstet, dass es bei der kompakten Bauweise der X-T Serie nicht möglich sein einen mechanischen Stabilisator zu verbauen. Nun haben die Ingenieure es uns und sich selbst eines Besseren belehrt und den Wunsch in der X-T4 umgesetzt. Der Stabilisator ist vor allem für das Filmen von besonderer Bedeutung, bedenkt man die äußerst potenten Video-Specs der beiden Kameras. Doch auch Fotografen, die hauptsächlich Standbilder machen profitieren von dem integrierten Stabilisator. Fujifilm fährt seit vielen Jahren eine erfolgreiche Kombination aus lichtstarken Zoom-Objektiven mit verbautem Stabilisator und besonder schnellen und offenblendigen Festbrennweiten ohne Stabilisator. Dies ermöglichte auch bisher schon atemberaubende Aufnahmen aber durch den Zusatz des stabilisierten Sensors in der Fuji X-T4 wird die Luft unter bestimmten Voraussetzungen sehr dünn für die X-T3. Unserer Erfahrung nach sind gerade Objektive wie das XF90mm F2 und das XF56mm F1.2 besondere Nutznießer des IBIS. Auch das weit verbreitete XF16-55mm F2.8 bekommt an der X-T4 einen Schub nach vorn. Alle drei Objektive haben vom Hersteller aus keinem Stabilisator und können an der X-T4 auch mit längeren Belichtungszeiten ihre überragende Abbildungsleistung auf den Sensor bringen. Makrofotografen werden wie wir die Kombination mit dem kompakten XF60mm F2.4 lieben. Im Videobereich lassen sich dynamische Schwenkaufnahmen und “Walking-Shots” kinderleicht und ganz ohne Gimbal realisieren, das Videomaterial profitiert dabei wie auch bei der X-T3 schon durch die ausgezeichnete Leistung des Prozessors und der exzellenten Wiedergabe des X-Trans Sensors. Die X-T3 kann in diesem Vergleich nur durch zusätzliche Hilfsmittel punkten. Kombiniert mit einem Gimbal schafft auch das Schwestermodell herausragende Aufnahmen im Bewegtbild.

Mehr Power – Neuer Akku für mehr Fotos

Viele Generationen von Fujifilm Systemkameras haben auf den bewährten NP-F126 Akku gesetzt, doch nun ist Schluss damit. Wird die X-T3 noch mit dem bekannten Akku betreiben, so findet sich in der neuen X-T4 auch ein neuer und noch leistungsstärkerer Akku. Der neue Akku trägt die Bezeichnung NP-W235 und erinnert uns an klassische Akkus von Nikon. Laut den ersten offiziellen Angaben soll der Neue Akku bis zu 600 Aufnahmen ermöglichen in der Fujfilm X-T4. Zum Vergleich: mit der Fuji X-T3 haben wir es in der Regel unter optimalen Bedingungen auf maximal 450 Aufnahmen gebracht. Das ist ein Plus von 30% und damit gerade für Fotografen und Filmer entscheidend, die auf das Gewicht ihrer Ausrüstung achten und lieber einen Akku weniger mitnehmen wollen. Gleich geblieben ist jedoch, dass beide Modelle mittels einer Powerbank und einem dazu passenden USB-C Kabels geladen werden können. Somit kann man auch die Laufzeit der X-T3 mit etwas Hilfe deutlich verlängern, etwa für Timelapse Aufnahmen oder ausgedehnte Videosequenzen.

Fuji X-T4 Autofokus

Alle Fujifilm Systemkameras haben bisher eine solide Performance im Bereich Autofokus gezeigt und mussten sich im einzelnen nur Sony und ganz selten Canon geschlagen geben. Mit der X-T4 soll es nun einen deutlichen Schritt nach vorn gehen. Ist das Bild unbewegt sitzt der Autofokus natürlich bei beiden Varianten zuverlässig und schnell. Selbst besonders dunkle umgebungen stellen dabei weder die X-T3, noch die X-T4 vor eine Herausforderung. Eine Disziplin, in der sich jedoch fast alle HErsteller mittlerweile mit Sony messen lassen müssen, ist die Gesichts- und Augenerkennung. Die X-T3 lieferte bei unseren Tests dabei schon sehr ordentliche Ergebnisse und fand zumindest das Gesicht mit sehr hoher Trefferzahl. Kombiniert mit dem Autofokus-Tracking gab es jedoch in der Vergangenheit immer wieder kleine Patzer, die den Abstand zu Sony´s Alpha Serie deutlich erkennbar machten. Mit der neuen X-T4 soll dieser Abstand nun der Vergangenheit angehören. Die ersten Beispiele und Berichte dazu sind sehr vielversprechende und zeigen ein Leistungsniveau, das sich vor der Konkurrenz nicht mehr verstecken muss. Wie angeklebt folgt das Autofokusfeld bewegten Objekten und findet zuverlässig die Augen von Personen auch bei sehr schlechten Lichtverhältnissen. Wenn die Gesichtserkennung in einer Situation mal nicht erwünscht sein sollte, lässt sie sich bei beiden Modellen mit einem schnellen Druck des Autofokus-Joysticks temporär abschalten. Uns gefällt die Geschwindigkeit und Treffsicherheit der neuen X-T4 besonders gut, man kann sich vollkommen auf die Kamera verlassen und mehr Augenmerk auf den kreativen Part der Fotografie legen.

Raw Processing direkt in der Kamera

In den vergangenen Jahren hat Fujifilm immer mehr Bearbeitungsmöglichkeiten in den Kameras integriert. Auch die X-T Serie hat davon profitiert und lässt eine Vielzahl von Bearbeitungen in der Kamera zu. Neu bei der X-T4 ist die Möglichkeit Tiff Dateien nochmals als 8bit oder 16bit Variante kameraintern zu bearbeiten, ohne dabei auf die verschiedenen Fujifilm Looks zu verzichten. So kann man sein Bild ganz individuell anpassen, ohne die beliebten Filmsimulationen von Fujifilm zu vermissen. In den üblichen Raw-Konvertern ist diese Möglichkeit nicht immer gegeben. Natürlich hat die X-T4 auch die neuen Filmsimulationen bekommen, die auch schon in der X-Pro3 vor wenigen Monaten vorgestellt wurden. Color Chrome Effect Blue, Classic Negative Film und Eterna Bleach Bypass sind also zusätzlich in der X-T4 vorhanden, bei der X-T3 bedarf es da wohl noch etwas Geduld und uns gesonnene Entwickler bis diese Filmsimulationen via Firmware auch dort nachgeliefert werden. Kleiner Foto Bantle Tipp am Rande: Auf DIESER Seite findet ihr eine Tabelle mit den Einstellungen, die nötig sind um verschiedenen klassische Looks nachzustellen in eurer Fujifilm Systemkamera auch ohne Firmware Update.

Video Performance und Display

In Sachen Video hat die Fujifilm X-T3 bereits viel Standards gesetzt und zählt noch immer zu den leistungsfähigen Hybrid-Geräten im Bereich spiegelloser Systemkamera. Daran hat sich natürlich auch in der X-T4 nichts verändert, im Gegenteil, durch kleine Verbesserungen holt die Fujifilm X-T4 noch etwas mehr raus und hat noch mehr Potential als Kamera zum Filmen. Beide sind in der Lage 4K Video intern mit 10 Bit und 60 Bildern pro Sekunde aufzunehmen, ein Leistungsmerkmal, das bisher nur von Panasonic Systemkameras erreicht wurde. Neben dieser extrem hohen Aufnahmequalität überzeugt die X-T4 zudem mit einer noch höheren möglichen Bildrate bei geringerer Auflösung. Wer also Slowmotion Aufnahmen und extreme Zeitlupen aufnehmen möchte ist mit der X-T4 noch um einiges besser beraten. Zudem lässt die neuere Variante auch live Einstellungen über die Bedienräder vorn und hinten an der Kamera zu, selbst während der Videoaufzeichnung. Bei der X-T3 war dies bisher nur über den Touchscreen Display möglich. Ähnlich wie bei den DSLM Modellen aus dem Hause Sony ist es bei der X-T4 nun auch möglich in der Vorschau und Wiedergabe der aufgezeichneten Videos einen Live-Eindruck von einem voreingestellten Look oder Color Grading anzuschauen (LUT). Zwar ist das Feature nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Panasonic S1 Modellen, aber hilfreich ist es allemal, um den Dynamikumfang und den Look direkt am Set zu beurteilen. Ein weiteres und sehr offensichtliches Feature der X-T4 im Vergleich zu Schwester, ist der völlig frei schwenk- und drehbare Touchscreen Display. Wie viele unserer Kunden haben sich dieses Feature bereits seit der ersten Generation gewünscht und endlich ist es soweit. Das neue Display löst zudem auch noch höher auf als bei der X-T3 und zeigt damit eine noch brillantere Vorschau der Fotos und Videos, der Sucher hingegen ist mit einer Auflösung von 3,69 Millionen Pixeln identisch geblieben. Neu ist dafür die sogenannte Restlichtanpassung. Informationsanzeigen werden ständig an das Umgebungslicht angepasst, um immer die perfekte Übersicht garantieren zu können.

Bildqualität und Performance allgemein

Als wir auf die allgemeinen technischen Daten der beiden Systemkameras geschaut haben, waren wir im ersten Moment ein wenig ratlos, denn zunächst scheinen beide Modelle fast identisch ausgestattet zu sein. Sowohl X-T3, als auch X-T4 setzen auf den sehr potenten X-Trans CMOS 4 Sensor mit 26,1 effektiven Megapixeln. Dieser hat sich in verschiedenen Tests und so auch bei uns im Haus als unfassbar leistungsstark erwiesen und überzeugt besonders durch die Performance bei wenig Licht und hohen ISO-Werten. In unseren Vergleichen konnte keiner im Haus einen Unterschied zu aktuellen Sensoren aus dem Kleinbildformat/Vollformat Bereich erkennen in Bezug auf das Rauschverhalten oder die Abbildungsleistung. Ein weiterer Pluspunkt für Fujifilm die Systemkamera ist die exzellente Farbwiedergabe in Kombination mit den herstellereigenen Filmsimulationen. Fast alle Aufnahmen können wir direkt aus der Kamera verwenden und sparen dadurch viel Zeit durch die sonst nötige Nachbearbeitung in einem RAW-Konverter. Kleiner Hinweis am Rande: Seit der Zusammenarbeit von Phase One und Fujifilm ist die RAW-Entwicklung von Fujifilm RAW Dateien um einiges interessanter geworden. Die von Phase One entwickelte Software Capture One gibt es seit geraumer Zeit in einer speziellen Variante für alle Fujifilm Kameras. Mittels dieser Software haben wir selbst aus älteren RAw Dateien noch einiges mehr rausholen können als mit den üblichen Verdächtigen wie Lightroom oder Luminar. Wenn Ihr also auch das letzte Detail aus euren Fujifilm Fotos herausholen wollt, testet Capture One doch einfach 30 Tage kostenlos über diesen LINK.

Bei der allgemeinen Performance und Geschwindigkeit lassen sich bisher keine signifikanten Unterschiede feststellen. Beide Kameras können bis zu maximal 60 Bilder pro Sekunde aufnehmen und haben daher auch die nötige Power um bei Sportfotografie oder Tierfotografie zu glänzen. Zudem unterstützen die doppelten SD-Kartenslots beider Modelle den aktuell schnellsten Standard UHS-II und vertragen Speicherkarten mit einer Maximalgröße von bis zu 512GB. Mit dieser Kombination solltet ihr für jede Herausforderung gewappnet sein. Ansonsten bleibt uns nicht viel zu sagen, denn sowohl X-T3, als auch X-T4 setzen auf die gewohnt benutzerfreundliche Oberfläche, die aufgeräumte Anordnung der Bedienelemente und die unnachahmliche Optik angelehnt an analoge Klassiker. Uns gefällt das Gesamtpaket der X-T Serie schon seit der ersten Generation, daran tut auch die X-T4 als neuester Spross nichts ändern.

Unser Fazit zum Vergleich X-T3 und X-T4

Solltet ihr Upgraden, wenn Ihr bereits eine X-T3 besitzt? Die Antwort lautet wie so oft im Leben “Jain”. Viel wichtiger ist die Frage wozu ihr die Kamera in der Praxis am häufigsten einsetzt. Wenn ihr sehr viel Videos dreht und dazu in der Regel ein leistungsstarkes Gimbal verwendet, dann wird sich das Upgrade von der X-T3 auf die neue X-T4 kaum lohnen, in allen anderen Fällen wagen wir zu behaupten, dass es durchaus Gründe gibt auf die neue Variante zu setzen. Für alle Neueinsteiger in das X-System oder diejenigen, die von einem älteren Modell kommen ist unsere Empfehlung ganz klar: Greift zur X-T4 und ihr haltet die aktuell leistungsfähigste Kamera mit APS-C Sensor in den Händen, die es aktuell frei verkäuflich zu bekommen gibt. Die kleinen, aber feinen Neuerungen und Verbesserungen sind definitiv mehr als nur Quality of Life Upgrades und wirken sich sowohl beim Filmen als auch bei Fotografieren immens positiv auf den Workflow und die Qualität der Ergebnisse aus. Die Kombination aus dem extrem leistungsstarken Objektiv-Lineup und der sehr leistungsstarken Hardware der Kamera stellen selbst beliebte Kameras mit größeren Vollformat-Sensoren in den Schatten. Zudem hat es Fujifilm geschafft einen Kompromiss zu finden, der eigentlich keine Nachteile in der Praxis offenbart und somit alle Gelüste von Fotografen, Videografen, Vloggern und sonstigen Visual Artists gleichermaßen befriedigt. Das stimmige Gesamtkonzept überzeugt sowohl bei unseren jüngsten Kollegen als auch die alten Hasen mit Faible für analoge Technik sind begeistert von den Systemkameras des japanischen Traditionsunternehmens. Alle Neuerungen sind sinnvoll und bieten in der Praxis einen Mehrwert, der es vollkommen rechtfertigt, beide Modelle parallel existieren zu lassen. Für wen ist also die X-T3 noch interessant? Unserer Meinung nach ist die X-T3 weiterhin eine ganz klare Kaufempfehlung für alle Landschaftsfotografen und diejenigen, die Fotos vom Stativ als Schwerpunkt ihrer Arbeit bezeichnen würden. Auch wenn der Vollständig schwenkbare LCD Display der X-T4 durchaus praktisch daher kommen könnte, ist das Bildergebnis der X-T3 für diese Einsatzzwecke vollkommen identisch. Die Ersparnis kann dann super für die Anschaffung von einem der neuen XF Objektive eingesetzt werden. Beide Kameras findet ihr natürlich bei uns im Shop. Fragen und Anregungen könnt ihr gerne wie gewohnt an uns richten. Bis zum nächsten Mal, euer Foto Bantle Team