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Das neue Zoom-Objektiv von Tamron

7. Juli 2020
Das neue Tamron Zoom Objektiv

Das neue Universal-Zoom Objektiv für Sony E-Mount

Nicht lange ist es her, dass Tamron ein neues Zoom Objektiv für die spiegellosen Systemkameras von Sony vorgestellt hat. Wir wollen uns daher heute die Zeit nehmen uns das neue Objektiv einmal genauer anzuschauen und dem Ganzen ein wenig auf den Grund fühlen.

Erster Eindruck und Eckdaten des Tamron 28-200mm F/2.8-5.6 Di III RXD

Mit dem neuen Zoom-Objektiv von Tamron, das intern unter dem Kürzel A071 vorgestellt wurde bringt Tamron einen wahren Kontrahenten für das bisher einzige Reisezoom-Objektiv in der Sony Vollformat-Welt auf den Markt. Das bereits in die Jahre gekommene Sony 24-240mm Objektiv scheint in fast allen Bereichen eine schlechtere Wahl zu sein, auch wenn Tamron in dem ein oder anderen Abschnitt einen Kompromiss eingehen musste. Das neue Objektiv ist eine echte Allround-Lösung für alle, die im Urlaub eine übersichtliche Kameratasche mit wenig Zubehör mitnehmen wollen. Dabei fällt sofort auf, das Tamron wieder auf die gleiche Formel setzt, wie schon bei den erfolgreichen Zoom-Objektiven 17-28mm, 28-75mm und 70-180mm.

Alle Objektive haben von außen die gleiche Anmutung und vermitteln ein robustes und sicheres Gefühl bei gleichzeitig kleinen Maßen und Gewicht. Kaum zu glauben, aber das neue A071 ist sogar einen Millimeter kürzer als das erfolgreiche 28-75mm F2.8 Objektiv von Tamron. Wie die anderen genannten Objektive verfügt es jedoch auch über ein Filtergewinde mit 67mm Durchmesser. Für uns ist dies ein echter Geniestreich, denn so reicht ein Satz Filter für alle Brennweiten von 17mm bis hinauf zu 200mm. Ihr erspart euch also teure Riesenfilter und lästige Adapter wenn ihr bereits andere Objektive von Tamron für das Vollformat-System von Sony besitzt. Mit knapp 575 Gramm ist das neue Tamron Objektiv fast 200 Gramm leichter als ähnliche Objektive, wie das Sony 24-240mm oder das neue RF 24-240mm für Canon R Kameras. Vergleicht man die offensichtlichen Werte, fällt sofort auf, dass Tamron auch dieses Mal bei der Brennweite einen Kompromiss eingeht, um das maximale an Bildqualität bei niedrigem Preis herauszuholen. Ob diese Philosophie auch euren Nerv trifft, müsst ihr selbst entscheiden. Uns gefällt das Das neue Zoom-Objektiv von Tamron jedenfalls der Ansatz kompakte und leistungsstarke Objektive zu einem unschlagbaren Preis anzubieten und damit den großen Konkurrenten am Tisch gehörig Druck zu machen.

Von außen gibt es nicht viel an dem neuen Objektiv zu entdecken. Es gibt keinen Schalter für den Autofokus-Modus und auch den bei Sony beliebten “Fokus-Hold” Knopf sucht man vergeblich. Einzig ein Verriegelungsschalter, um das Ausfahren des Objektivs zu verhindern ist neben dem Fokus- und Zoomring an dem Objektiv zu finden. An dieser Stelle sei jedoch gesagt, dass auch das Sony-eigene Objektive keine der genannten Schalter aufweist. Das Objektiv ist mit sechs internen Dichtungsringen und einer Dichtungslippe am Bajonett gegen Feuchtigkeit geschützt und unterstreicht dadurch den Charakter als perfekter Reisebegleiter, denn wer wurde noch nicht von einem spontanen Schauer im Urlaub überrascht. Die beiden Bedienringe für Fokus und Brennweite lassen sich gleichmäßig und flüssig drehen und geben dadurch optimale Kontrolle beim Fotografieren. Filmer werden jedoch bemängeln, dass der Fokus nicht linear gekoppelt ist an die Bewegungen am Fokusring. Schnelle Drehungen bewirken stärkere Veränderungen als langsame. Das sogenannten Focus-Pulling wird dadurch erschwert und es ist kaum möglich eine Fokusverstellung gleichermaßen zu wiederholen.

Das neue Zoom-Objektiv von Tamron überzeugt

Als kleiner Negativfaktor fällt im ersten Eindruck das Fehlen des Stabilisators in dem neuen Reisezoom auf. Anders als Sony hat Tamron, wie schon beim 70-180mm Objektiv, auf den optischen Stabilisator im Objektiv verzichtet. Gerade bei Telebrennweiten ist jedoch der optische Stabilisator im Objektiv deutlich wirkungsvoller als ein IBIS (In Body Image Stabilizer). Neue Sony Kameras gleichen dies jedoch durch den Stabilisator im Gehäuse zumindest teilweise aus. Wir hätten uns gewünscht, dass Tamron an dieser Stelle eine Schippe drauf gelegt hätte, auch wenn dies einen Aufpreis zu Folge gehabt hätte. Eines sei trotzdem vorweggesagt: die Abbildungsleistung des Tamron A017 ist trotzdem deutlich besser als die des stabilisierten Sony 24-240mm Objektivs. Die Entscheidung bleibt also trotzdem extrem schwer.

Ein weiterer Unterschied zu den Alternativ-Objektiven fällt auf, wenn man die Werte der möglichen Offenblende vergleicht. Das neue Tamron 28-200mm Objektiv überzeugt durch eine sehr starke Offenblende von F2.8 bei 28mm, die es sogar bis 50mm beibehält. Am anderen Ende steht eine Offenblende von F5.6 zur Verfügung, die jedoch bereits ab 150mm einsetzt. Trotzdem ist dies eine beachtenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz in der Regel zwei Drittel Blendstufen schlechter ist. Einfach gesprochen: Mit dem Tamron Objektiv kann man beispielsweise bis zu zwei Drittel mehr Licht einfangen oder einfacher den Hintergrund in Unschärfe verschwinden lassen. Uns gefällt diese Vielseitigkeit richtig gut, besonders bei so einer Allzweckwaffe wie einem Reisezoom. Komplettiert wird das ganze durch einen sehr guten Wert bei der Naheinstellgrenze. Im Weitwinkel bei 28mm beträgt die Naheinstellgrenze nur 19 Zentimeter von der Sensorebene, zoomt man voll heraus auf 200mm beträgt die Naheinstellgrenze 80 Zentimeter. Dadurch lassen sich tolle Detail- und Nahaufnahmen anfertigen, die einen Abbildungsmaßstab von bis zu 1:3,1 aufweisen. Das ist zwar noch kein richtiges Makro aber besser als der Großteil aller Zoomobjektive.

Performance des neuen Tamron 28-200mm

Wie schon in den anderen erfolgreichen Modellen, setzt Tamron auch in diesem Reisezoom auf den schnellen und zuverlässigen RXD Stepping Motor. Dieser Fokusantrieb hat uns bereits bei allen anderen Modellen überzeugt und ist schnell, leise und zuverlässig. Der ausgezeichnete Augen-Autofokus von Sony Kameras wird mittels des Tamron Antriebs perfekt angesteuert und verrichtet einen tadellosen Dienst. Dies ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass Sony alle wichtigen Spezifika zum Bajonett und Fokusantrieb offen zugänglich bereitstellt und die Ingenieure von Tamron sich ganz auf die optische Performance konzentrieren können, ohne selbst das Fokussystem der Kameras zu durchleuchten. Besonders das Tracking sticht heraus, da es in der Praxis der Performance nicht hinter den nativen Sony Objektiven hinterherhinkt. Sowohl Augen-Autofokus, als auch Gesichtserkennung funktionieren einwandfrei und haben eine erfreuliche Trefferrate. Selbst der Tieraugen-Autofokus schneidet in den Tests erstaunlich gut ab, was das Objektiv zu einer perfekten Lösung für alle reisefreudigen und Tierliebhaber macht. Videografen erfreuen sich dabei an der vollkommen geräuschlosen Fokussierung. Selbst auf den Kamerainternen Mikrofonen ist in der Praxis nichts zu hören vom Objektiv. Auch wenn das neue Tamron 28-200mm Objektiv nicht in jeder Situation Top-Leistungen abliefern kann, so überzeugt es mit konstant guter Leistung in nahezu allen Genres. Die Lange Brennweite gepaart mit der offenen Arbeitsblende erlaubt es Portraits mit schönem Bokeh aufzunehmen. Gleichzeitig ist der schnelle Fokusmotor potent genug, um auch schnelle Action zuverlässig einzufangen und Objekte erfolgreich zu verfolgen.

Im Bereich Abbildungsleistung sticht das Tamron A017 unter vielen Reisezooms deutlich hervor. Wir haben bereits darüber gesprochen, dass alle Universalobjektive Kompromisse eingehen, die im Vergleich zu Festbrennweiten oder designierten Zoom-Objektiven in deutlich schlechterer Bildqualität ufern. Wo Tamron den Kompromiss getroffen hat, ist relativ klar. Im Gegensatz zur Konkurrenz spart man sich 4mm im Weitwinkel und 40mm am Telebereich. Diese Reduzierungen erlauben es jedoch, deutlich höhere optische Leistungen, auch ohne digitale Korrekturen, zu liefern. So zeigt das 28-200mm im Weitwinkel kaum merkbare Fass-Verzerrungen.

Das neue Reisezoom von Tamron im Vergleich

Zum Vergleich: schalten man beim Sony 24-240mm die digitale Korrektur aus, zeigen sich komplett schwarze Ecken bei 24mm, die nur durch nachträgliches Zuschneiden zu vermeiden sind. Bei anderen Objektiven dieser Art fällt beispielsweise die Bildschärfe gerade im Telebereich merklich ab. All das Finden wir nicht bei dem neuen Tamron 28-200mm und diese Herangehensweise ist sicher nicht für alle eine perfekte Lösung, doch werden gerade Hobbyfotografen die Bildqualität zu schätzen wissen. Chromatische Aberrationen und Vignettierung sind ebenfalls sehr gut im Griff gehalten und fallen auf den Beispielbildern von Tamron kaum ins Gesicht. Natürlich wird das Objektiv an den High-End Varianten wie Alpha 7R IV keine Top-Leistungen bringen, aber gerade Nutzer der normalen Alpha 7 Serie haben mit dem A017 fast eine Eier-legende-Woll-Milch-Sau.

Das Bokeh vom Tamron 28-200mm ist durchschnittlich gut gelungen. Ist der Hintergrund sehr unruhig, wird auch das Bokeh etwas nervöser. Mit etwas Erfahrung können aber auch mit diesem Reisezoom sehr zeigenswerte Portraits oder Detailaufnahmen angefertigt werden.

Unser Fazit zum Tamron 28-200mm F/2.8-5.6 Di III RXD

Auch wenn wir zugegebenermaßen keine wirklichen Freunde von Kompromissen bei Objektiven sind, überzeugt das neue Tamron durch tadellose Leistungen in den Kategorien, die für die meisten Fotografen am wichtigsten sind. Die fehlende Brennweite im Weitwinkel und Telebereich können wir verkraften, weil uns Tamron dafür eine überragende Bildqualität liefert, verglichen mit anderen Reisezoom-Objektiven im Vollformat-Bereich. Der schnelle Fokusmotor ist perfekt geeignet, um jeden Moment einzufangen und die variable Brennweite deckt mehr als 90 Prozent von allen alltäglichen Situationen ab. Hinzu kommt wieder einmal ein sehr konkurrenzfähiger Preis, der die Konkurrenz weit abgeschlagen hinter sich lässt. Zwar hätten wir uns einen Stabilisator gewünscht und ein etwas schöneres Bokeh aber alles in allem befinden wir das Tamron 28-200mm für ein wirklich leistungsstarkes Allround-Objektiv.

Was uns besonders gut gefallen hat

  • Kompaktheit und geringes Gewicht
  • abgedichtete und robuste Konstruktion
  • sehr guter und schneller Autofokus
  • hervorragende Schärfe
  • lichtstarke Offenblenden
  • günstiger Preis

Was wir vermissen

  • eingebauter Stabilisator
  • schöneres Bokeh bei Offenblende