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Die Panasonic S1 Serie – eine Antwort auf den Vollformat-Boom – Teil 1

30. Juli 2020
Die Panasonic S1 Serie

Panasonic S1 Serie – Eine der besten Systemkameras

Nachdem sich die spiegellosen Kameras in den letzten Jahren auf dem Markt breit gemacht haben und immer mehr begeisterte Fotografen greifen zur kompakten und Leistungsstarken DSLM. Dabei ist der Anteil an Kameras mit Vollformat-Sensor ebenfalls immer größer geworden. Selbst Hobbyfotografen entdecken den Vorteil der großen Sensoren und wollen sich damit immer weiter von Schnappschuss-Apparaten und den Smartphones abheben. Panasonic als Mitentwickler des Micro Four Third Systems hat sich vor einiger Zeit aus diesem Grund dafür entschieden der Nachfrage nach Professionellen Vollformatkameras nachzugehen. Inzwischen hat der Elektronik-Riese aus Japan ein gutes Lineup an Kameras und Objektiven, die sich hinter den Konkurrenzmodellen nicht verstecken müssen. Dabei setzt Panasonic insbesondere auf die Stärken, die bereits aus den MFT Systemkamera-Sektor bestehen und kombiniert diese mit innovativen Ansätzen und leistungsstarker Software. Wir wollen euch in einer kleinen Serie einen Überblick über das gesamte S1 System geben und dabei die Vorzüge jeder einzelnen Kamera hervorheben.

Panasonic Lumix S1 Serie- Einsteiger mit Profi-Genen

Den Anfang wollen wir mit der preiswertesten Alternative aus dem Panasonic S1 System machen, der Lumix S1 mit ihrem 24 Megapixel Vollformatsensor. Optisch ist sie kaum von den anderen Modellen der Serie zu unterscheiden. Im Vergleich zur Konkurrenz von Sony, Canon und Nikon fällt jedoch sofort auf, dass die Kamera um einiges größer ist als die der anderen Hersteller. Diese Tatsache kommt der Lumix S1 aber sehr zugute, denn keine andere spiegellose Vollformatkamera liegt so gut in den Händen wie die S1. Auch große Hände schmiegen sich ergonomisch an den Griff und alle Knöpfe und Räder sind intuitiv zu erreichen und haben einen wunderbaren Druckpunkt. Auch die Einstellräder und der Joystick machen da keine Ausnahme und sind deutlich besser zu nutzen als die anderen Alternativen. Die Kamera ist ganz klar kein Leichtgewicht, der optische Eindruck täuscht nicht und man hat etwas sehr Vergleichbares zu einer Nikon D850 oder Canon 5D Mark IV in der Hand. Dabei vermitteln die verwendeten Materialien und die Verarbeitung einen besonders erhabenen Eindruck und wecken Vertrauen die Kamera auch unter widrigsten Bedingungen zum Einsatz zu bringen. Panasonic setzt in der Lumix S1, wie auch bei den kleinen MFT-Modellen, auf eine besonders effektive Sensorstabilisierung (IBIS). Auf dem Papier fällt zudem direkt die außerordentlich hohe Auflösung des elektronischen Suchers auf. Mit knapp 5,7 Millionen Pixeln und einer Bildwiederholfrequenz von 120Hz zählt der Sucher zu den besten auf dem Markt. Schauen wir doch auch noch schnell auf die anderen Kennzahlen der Panasonic Lumix S1:

  • 24 Megapixel Vollformat CMOS Sensor
  • DfD Kontrast-Autofokus-System (Depth from Defocus)
  • 5-achsige Sensorstabilisierung (IBIS)
  • komplett abgedichtetes Gehäuse aus Magnesium
  • High Resolution Multi-Shot-Mode bis zu 96 Megapixel
  • 2,1 Millionen Pixel LCD Touchscreen
  • Doppeltes Kartenfach für eine SD und eine XQD Karte
  • 4K/60p Video mit 10-bit und V-Log (letzteres optional)

Besonderheiten der Panasonic Lumix S1 Serie

Mit der Lumix S1 Serie setzt Panasonic auf das von Leica entwickelte L-Mount System und zusammen mit Sigma hat sich dadurch die sogenannte L-Mount Alliance gebildet. So passen neben den Panasonic S Objektiven auch die Objektive der Leica SL und eine immer größer werdende Anzahl von Sigma Objektiven mit L-Mount. Der verbaute 24,2 Megapixel Sensor ist eine komplette Neuentwicklung von Panasonic und verzichtet auf den Einsatz eines Tiefpassfilters. Dadurch erreicht die Lumix S1 eine besonders scharfe und detailreiche Abbildungsleistung. Zudem kann die Kamera den Vollformatsensor mit Hilfe des verbauten Stabilisators gezielt bewegen, um damit super hochauflösende Aufnahmen vom Stativ aus anfertigen zu können. Dieser spezielle High-Resolution Modus kann RAW-Dateien mit einer Auflösung von Maximal 96 Megapixeln erzeugen. Dazu wird der Bildsensor acht Mal verschoben um das Bayer Muster des Sensors so auszurichten, dass besonders viele Details aufgenommen werden können. Der Fotograf muss dabei lediglich entscheiden ob die Kamera sich bewegende Objekte innerhalb des Motivs erkennen und verbessern soll, oder ob eine Art Langzeitbelichtung mit Bewegungsunschärfe erstellt werden soll. Beide Modi funktionieren sehr zuverlässig und liefern herausragend gute RAW Bilder, die qualitativ deutlich besser sind als die 24 Megapixel Standardbilder. Die Verwendung eines Stativs ist jedoch unabdingbar für die High-Resolution Aufnahme und die Bilder können nur im RAW Format gespeichert werden, eine direkte interne Umwandlung in JPEG Bilder ist nicht möglich.

Wie schon bei den kleineren Micro Four Third Kameras arbeiten die Stabilisatoren auch in der Lumix S1 zusammen. So kommunizieren der stabilisierte Sensor und der Stabilisator im Objektiv miteinander, um möglichst effektiv gegen die Bewegungen des Fotografen entgegenzusteuern. In der Kombination aus Lumix S1 und einem stabilisierten Objektiv, wie dem 24-105mm F4 von Panasonic, können dadurch auch extrem lange Belichtungszeiten effektiv aus der Hand fotografiert werden. Die Stabilisierung erreicht dabei Spitzenwerte von bis zu 6 Blendenstufen.

Auch in Sachen Autofokus geht Panasonic in der Lumix S1 einen eigenen Weg und verbaut in der Kamera den sogenannten “Depth from Defocus” (DfD) Kontrast Autofokus. Dieses Fokus-System hat Panasonic bereits erfolgreich in den kleinen spiegellosen Kameras eingesetzt und wehrt sich damit gegen die Konkurrenz, die bei offenen Blenden lieber auf Phasendetektions-Autofokus setzt. Der Vorteil des DfD Systems ist die Fähigkeit auch in nahezu kompletter Dunkelheit noch zuverlässig den Fokus zu finden. In Zahlen ausgedrückt: Die Lumix S1 fokussiert bis zu Lichtwerten von -6 LW und macht damit auch den teuersten und leistungsstärksten Profikameras das Leben schwer. Zusätzlich wurde die künstliche Intelligenz des Fokussystems noch mit der Fähigkeit ausgestattet Personen und Tiere selbstständig zu erkennen und zu Tracken, selbst wenn sie der Kamera den Rücken zu drehen. Dabei stellt die S1 selbstständig zwischen verschiedenen Modi um und fokussiert, wenn möglich automatisch auf die Augen oder wechselt auf den Körper bei schnellen Bewegungen und abgewandtem Gesicht. Das Tracking ist zudem sehr intuitiv, denn es wird einfach mit einem leichten Druck auf den Auslöser initiiert und verfolgt dann automatisch das Objekt, das zum Zeitpunkt des Drückens unter dem Fokuspunkt war. Lässt man den Auslöser wieder los, springt der Fokuspunkt automatisch an den ursprünglichen Ort zurück. Dieses System würden wir uns von anderen Kameras auch wünschen, denn es ist in der Praxis einfach und schnell zu lernen und einzusetzen.

Eine weitere Besonderheit der Panasonic Lumix S1 ist die Fähigkeit sogenannte HLG Fotos aufzunehmen. Dabei handelt es sich um Bilder mit einer besonders hohen Bitrate und einem sehr hohem Dynamikumfang, wie sie auf den modernsten Fernsehgeräten angezeigt werden können. Dadurch entstehen Bilder mit unglaublicher Brillanz, ohne den oft nicht beliebten HDR Look zu erzielen. In einer Zeit, in der immer mehr Bilder ausschließlich digital konsumiert werden, ist dies ein Feature, das wahnsinniges Potential hat. Zusätzlich begeistert uns die Kamera durch kleine Features wie die beleuchteten Tasten auf der Rückseite für die Dunkelheit oder den LCD Display auf der Oberseite der Kamera.

Bildqualität der Panasonic Lumix S1 Serie

Die Qualität der RAW Aufnahmen aus der Lumix S1 sind atemberaubend und müssen sich weder vor Sony, noch vor Nikon verstecken. Im Vergleich zur Konkurrenz von Canon zeichnet sich sogar ein deutlicher Vorteil ab. Dabei ist die Leistung auch unter schwierigen Lichtbedingungen und hohen ISO Werten sehr beeindruckend und auf einem Niveau mit den stärksten Modellen in dieser Preisklasse (Sony Alpha 7 III und Nikon Z6). Wie schon bei Sonys neuesten Kameras ist auch der Sensor der S1 extrem stark, wenn es darum geht höhere ISO-Werte zu verwenden. Zwar nimmt das Bildrauschen zwischen ISO 100 und ISO 800 leicht zu, darüber hinaus jedoch macht es kaum einen Unterschied ob man die Belichtung am Computer nachträglich erhöht oder den ISO Wert höherschraubt. Das Ergebnis ist überzeugend und weist kein störendes Rauschen auf. Die interne JPEG-Verarbeitung der Lumix S1 ist ebenfalls sehr stark und produziert schöne natürliche Farben mit viel tiefe. Hauttöne sind dabei fast gleichwertig zu den sehr beliebten Tönen von Canon.

Unser Fazit zur Panasonic Lumix S1 Serie

Die Panasonic Lumix S1 ist neben der Sony Alpha 7 III die potenteste Vollformatkamera in der Preisklasse um 2000 Euro. Dabei ist besonders der Mehrwert als Hybrid-Gerät für Fotos und Video hervorzuheben. Die Ergebnisse überzeugen mit Qualität und Benutzung der Kamera macht einfach nur Spaß. Natürlich ist die Lumix S1 groß und schwer, dafür ist das Gefühl bei der Arbeit mit der Kamera aber auch ein sehr vertrautes und sicheres, vergleichbar mit einer der High-End Spiegelreflexkameras auf dem Markt. Wir hätten keine Bedenken die Kamera auch in widrigsten Bedingungen einzusetzen, jeder Knopf und jede Abdeckung vermitteln Wertigkeit und sind eine Wonne zu benutzen. Der LCD Touchscreen überzeugt uns genauso wie der hochauflösende Sucher der Kamera und machen die Motivwahl und die anschließende Bildkontrolle zu einer Freude. Das Menü und die Integration des Touchscreens ist Panasonic erneut besser gelungen als bei allen anderen Konkurrenten. Insgesamt würden wir uns nur ein wenig mehr Performance im Bereich Autofokus wünschen, hier gibt die Konkurrenz von Sony und Co weiterhin den Ton an. Den etwas höheren Anschaffungspreis gegenüber den Konkurrenzmodellen macht die Panasonic Lumix S1 durch zusätzliche Features wie den High Resolution Modus und die generelle Verarbeitung des Gehäuses leicht wieder gut. Insgesamt bekommt man ein extrem professionelles Gesamtpaket, das alle Genres der Fotografie mit Leichtigkeit bedient und unter allen Umständen erstklassige Leistungen abliefert. Im nächsten Teil der Serie stellen wir euch die Lumix S1R vor und erläutern die Unterschiede zur S1. Bis dahin gutes Gelingen, euer Foto Bantle Team.